Unsere erste Reise nach Süd- bzw. Mittelamerika nach der Pandemie. Nicaragua sollte es sein, das hatten wir ja schon 2019 geplant – leider hatte uns das Covid-Virus einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Wir haben die Planung also wieder aufgenommen und freuen uns wie Bolle, das es diesmal losgehen soll. Wieder wollen wir mit einem Mietwagen das Land bereisen und wieder haben wir uns für einen Hilux entschieden - das Auto ist die bewährte Versicherung im schwierigen Gelände.

Leider hat uns die gewählte Airline (eine große Südwesteuropäische Fluggesellschaft mit einem „I“ im Namen, soviel sei verraten) mehrfach enttäuscht. Zuerst wurde kommentarlos unser Hinflug gecancelt und unsere Reisepläne haben sich einen Tag nach vorne verschoben. Dann wurde der Rückflug gestrichen und wir mussten noch einen Tag dranhängen. Die Sitzreservierungen waren dadurch auch futsch und wir mussten die Plätze neu bezahlen. Der gesamte Buchungsprozess war eine Katastrophe – mehrfach stürzt die Internetseite mit den allerwildesten Fehlermeldungen ab.
Naja – das nächste mal sind wir halt schlauer und nehmen nicht die Fluggesellschaft mit „I“…

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Kartenmaterial:  Perry-Castañeda Library / University of Texas

22./23.05.2023

Wieder klingelt unser Wecker sehr früh am Morgen. Um 7 Uhr geht der Flieger ab Hamburg nach Madrid. Der Flug ist ok, aber mehr auch nicht – der Service ist lustlos – das einzige, was es gratis zu trinken gibt ist ein Wasser. Natürlich gibt es auch kein Frühstück zu kaufen – man sei ja der erste Flug am Morgen, da hätte man noch nichts einladen können. Nach knapp drei Stunden kommen wir in Madrid an. Den Flughafen kennen wir schon – er ist riesig und die Wege sind lang. Die Terminals werden mit einem Zug verbunden, der unterirdisch lange Strecken zurücklegt.

Um 12:25Uhr soll unser Anschlussflug abfliegen – mit einer Zwischenlandung in Guatemala-City soll es zuerst nach San Salvador gehen und von da aus nach Managua. Der Flieger ist ein Airbus A330-200 mit vermutlich der engsten Bestuhlung, die Airbus verkauft. Immerhin – es ist sehr leise, weil man sich mit den eigenen Knien die Ohren zuhalten kann. Die Kabine ist ziemlich verdreckt und während des gesamten Fluges (mit Zwischenstopp immerhin 14:10 Stunden) befand es die Crew scheinbar nicht für nötig, sich auch nur ein einziges Mal die Toiletten anzuschauen. Bei 280 Menschen an Bord waren die Klos nach ca. 2 Stunden unbenutzbar und die Suppe schwappte zentimeterhoch am Boden hin und her. Der Service war wieder lustlos und das servierte Essen grenzt an Körperverletzung. Abendessen und Frühstück zusammen dürfte einen Materialwert von deutlich unter 5€ haben. Nein, mit der Airline mit „I“ fliegen wir nie wieder.

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Der Flughafen in Guatemala ist ziemlich heruntergekommen – schon bei der Landung bemerken wir viele, teilweise ausgeschlachtete Flugzeugwracks am Rande der Rollbahn. Ein schöner Ort für Planespotter bzw. Freunde uralter Technik (DC4 u.ä.).
Da wir bei der Zwischenlandung aussteigen müssen, besuchen wir ein Restaurant und werden prompt abgezockt. Wir sollen für die gleichen Getränke das doppelte bezahlen wie die Herrschaften am Nachbartisch. Jochen beschwert sich lautstark beim Ober… und bekommt prompt das zu viel gezahlte Geld zurück.

Nach einer Weile geht es – im selben Flieger – weiter nach San Salvador. Schon von oben sieht El Salvador irgendwie moderner aus – wir sehen mehrspurige und bestens ausgebaute Autobahnen. Der Flughafen ist ebenfalls sehr modern und die Hangars an denen wir vorbeirollen sind vollgestopft mit Flugzeugen US-Amerikanischer Airlines: Southwest, Delta, American Airlines – alle lassen sie hier ihre Flugzeuge warten.

Um 21:50Uhr geht es endlich weiter nach Managua. Diesmal mit der Avianca. Mit der Airline sind wir schon häufiger geflogen und an denen kann sich die Firma mit dem „I“ mal ein Beispiel nehmen. Saubere Flugzeuge, nette Crew und man kann sich ohne akrobatische Verrenkungen hinsetzen. Nach weiteren 55 Minuten Flug und einer Gesamt-Reisezeit von fast 29 Stunden kommen wir endlich in Managua an.
Die Einreiseformalitäten sind schnell erledigt und nach kurzer Fahrt in die Stadt gelangen wir zu unserm Hotel in der Avenida Los Robles. Freundlich begrüßt uns ein älterer Herr an der Rezeption. Das Haus ist im Kolonialstil errichtet, die Zimmer sind groß und es gibt sogar eine winzige Terrasse. Nur ein Feierabend-Bier bekommen wir hier nicht. Aber kein Problem, sagt der Rezeptionist – ganz in der Nähe gibt es einen 24/7 Supermarkt. Jochen wird Bier holen geschickt – auf seinem Weg zum Supermarkt kommt er an einer Bar vorbei, die gerade die Grenzen ihrer Musikanlage ausreizt. Viele, viele Menschen feiern hier lautstark zu Reaggeton-Rythmen…
ist heute nicht Dienstag? Der Mann an der Rezeption meint, am Wochenende sei hier noch viel mehr los… na dann...

Wir schlafen trotz der Musik ganz ausgezeichnet und wir können uns endlich ausstrecken. Das ist schon etwas anderes als die Sardinenbüchse in der wir angereist sind.

24.05.2023

Das Frühstück im begrünten Innenhof des Hotel ist ausgezeichnet. Es gibt das „Desayuno Nicaraguense“ mit Gallo Pinto (Reis mit schwarzen Bohnen), Ei und Käse. So sieht das typische Frühstück hier aus – lecker und nahrhaft – was will der Mensch mehr.
Jochen besorgt noch schnell eine SIM-Karte aber irgendwie lässt die sich nicht freischalten. Irgendwann finden wir heraus, dass Ausländer wohl immer direkt in die Shops des Netzbetreibers müssen – wenn man die Karte im Supermarkt kauft, braucht man eine Nicaraguanische Ausweisnummer. Haben wir nicht… aber ein netter Supermarkt-Angestellter tippt einfach seine ID ein. Das nennen wir mal pragmatisch! Jetzt haben wir eine nicaraguanische Telefonnummer und mobiles Internet.

Pünktlich um 11Uhr steht wie vereinbart der Mensch von der Autovermietung auf der Matte.
In Nicaragua beginnt die Regenzeit und da wir stellenweise schlechte Strassenverhältnisse erwarten, haben wir uns - wie schon erwähnt– wieder einmal für einen Toyata Hilux Pickup entschieden.

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León ist unser nächstes Ziel – das ist nicht allzu weit entfernt und da wir etwas Zeit haben, entscheiden wir uns gegen die gut ausgebaute Hauptstrasse und benutzen ein paar sehr ländliche Nebenstrassen. Schon an Tag 1 müssen wir gelegentlich in den 4x4 Modus umschalten.

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Wir besuchen die Ruinenstadt León Viejo. Das „alte León“ wurde im Jahr 1609 durch den Ausbruch des Vulkans Momotombo in Schutt und Asche gelegt – es wird auch das Pompeii Mittelamerikas genannt und die Ruinenstadt ist Unesco Weltkulturerbe. Es gibt verschiedene Ausgrabungen und ein kleines Museum.

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Am Nachmittag kommen wir in León an – die Stadt soll für die nächsten 2 Tage unsere „Ausgangsbasis“ sein. Da es noch recht früh am Nachmittag ist, machen wir nach ein paar abkühlenden, frisch gepressten Säften in einem Strassencafé einen Spaziergang durch koloniale Altstadt. Ein besonderes Highlight ist die „Catedral de León“ – auch die ist ein Unesco- Weltkulturerbe. Das besondere: gegen ein kleines Entgelt wird man auf das weiß getünchte Dach der Kathedrale gelassen und kann zwischen den mächtigen Kuppeln spazieren gehen. Die Schuhe muss man dafür allerdings ausziehen um das strahlende Weiss nicht zu verdrecken. Der Ausblick auf die Stadt mit der langsam untergehenden Sonne ist atemberaubend schön.

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Nach einem Abendessen in einem der vielen kleinen Restaurants fallen wir erschöpft ins Bett.

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25.05.2023

Für heute haben wir eine Bootsfahrt durch die Mangroven des „Reserva Natural Isla Juan Venado“ gebucht. Um 9 Uhr werden wir von einem netten jungen Mann abgeholt und nach ca. 40km Fahrt erreichen wir das kleine Städtchen Las Peñitas besteigen wir ein Boot und lassen uns von zwei Fischern durch die Mangroven schippern. Hier gibt es viel zu sehen – viele Vögel, Leguane und ein Krokodil bekommen wir zu Gesicht.

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Einer der Fischer will uns einen Leguan auf einem Ast zeigen und beugt sich etwas weit nach vorne. Jochen kann Ihn gerade noch bei den Waden packen, sonst wäre er über Bord gegangen.

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Wir besuchen eine einsame , von nur einem Mitarbeiter betreute Aufzuchtstation für Meeresschildkröten. Der nette Herr scheint froh über unseren Besuch, berichtet bereitwillig von seiner Arbeit. Wir bekommen sogar eine frisch geschlüpfte Mini-Schildkröte zu Gesicht – die wird in Kürze ins Meer entlassen.

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Bevor wir wieder anlanden können, müssen wir alle das Boot verlassen und ins Wasser springen. Die Fischer haben scheinbar die einsetzende Ebbe nicht erwartet – wir schieben das Boot mit vereinten Kräften von einer Sandbank.
Pitschnass aber voller neuer Eindrücke fahren wir zurück nach Léon.


Den Rest des Tages nutzen wir für einen weiteren Spaziergang in der wunderschönen Kolonialstadt.
Dabei stoßen wir auf das „Revolutionsmuseum“. Das Museum selbst ist relativ klein und unspektakulär. Wir werden durch die Räume geführt und erfahren dabei alles über die Sandinistische Revolution.

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Was dann folgt, ist aber ziemlich spektakulär:
der Museumsangestellte fragt, ob wir noch etwas mehr sehen wollen? Na Klar wollen wir.
Das Gebäude, in dem sich das Museum befindet ist ein riesiges altes Gebäude – den Angaben des Museumsangestellten zu folge war es mal ein Telekommunikations-Gebäude (die Post?). Bis auf die Museumsräume im Erdgeschoss ist es aber leer, in den oberen Stockwerken fehlen die Fenster, der Putz bröckelt von den Wänden und vielen Räume mit ihren hohen Decken werden von massenhaft Tauben bewohnt. Der Boden ist entsprechend vollgesch…. Das Ganze hat schon einen ziemlichen „Lost Place“-Charakter.

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Und dann beginnt das Abenteuer: der Museumsangestellte leitet uns zu einem kleinen maroden, halbherzig mit altem Blech versperrten Ausstieg direkt auf das Dach des Gebäudes. Das Dach ist – wie der Rest auch – extrem baufällig. Es besteht aus teilweise losen und durchgerosteten Blechplatten durch die man jederzeit in die Tiefe stürzen kann. Zur „Sicherheit“ hat man mit weißer Sprühfarbe Pfeile auf die marode Abdeckung gemalt. „Hier gehen“, „hier besser nicht“. Das Dach knirscht und knartscht unter unseren Schritten aber der Ausblick auf die Stadt ist unglaublich und absolut exklusiv. Das hat sich gelohnt!

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26.05.2023

Heute verlassen wir Léon, unser Tagesziel heißt Estelí.

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Wir legen einen kleinen Zwischenstop bei den heißen Quellen von San Jacinto ein – eine Ansammlung von blubbernden und brodelnden Schlammlöchern. Wir hatten schon gelesen, dass die Kinder des Dorfes es darauf anlegen, Besucher gegen ein Trinkgeld durch das eher winzige Areal zu „führen“. Eigentlich wollten wir das vermeiden und wir haben alles versucht: „Kinder, müsst Ihr nicht in die Schule?“ - „Nein, heute nicht, unser Lehrer ist krank“. Die Kinder malen eifrig blubbernde Quellen und Vulkane in den Sand, stupsen Stöckchen mit abgesägten Blechdosen in den Blubber, schöpfen Schlamm ab und formen in Windeseile kleine Gefäßchen aus dem erkalteten Zeug, um sie uns als einzigartige Kunstgegenstände zu verkaufen. Wir müssen das Spiel einfach mitspielen. Wir bedanken und artig und verteilen ein paar Taler.

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Nach insgesamt 140km Fahrt kommen wir in Estelí an. Viel zu früh und nach einem ausgiebigen Mittagessen entscheiden wir uns für eine Siesta.

Am Abend erkunden wir die Stadt, so richtig viel los ist hier aber nicht.

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27.05.2023

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Heute müssen wir früh aufstehen, wir wollen eine Wanderung durch den spektakulären „Somoto Canon“ unternehmen. Es soll „halb zu Fuß und halb schwimmend“ - sagt der Reiseführer -  durch die Wildwasser-Schlucht gehen… na, das kann ja was werden. Mit unserem Guide sind wir um 9Uhr im ca. 70km entfernten Somoto verabredet – wir wollen uns an der Tankstelle „Hermanos Pineda“ treffen. Trotz der vielen LKWs auf der gebirgigen Strecke schaffen wir es, um 9:08 Uhr da zu sein. Unser ziemlich junger Guide und ein Taxi mit einem ebenso jungen Fahrer warten schon auf uns. Als der Guide sieht, das wir mit dem Hilux anreisen, überlegt er kurz, ob das Taxi Sinn macht. Aber ok, gebucht ist gebucht.
Wir parken den Hilux in einer Seitenstrasse, ziehen unsere Wanderstiefel an und steigen in das Taxi um. Der Taxifahrer dreht auf: erstens die Musik und zweitens die Geschwindigkeit. Zu lauten Cumbia-Rythmen sausen wir über die Landstrasse – wie schnell, wissen wir nicht, der Tacho ist kaputt, fühl sich aber an wie 200km/h... Jochen brüllt seine durch beständiges „Radio Latina“-hören erworbene Expertise in den Lärm: „Cool“, kennst Du die-und-die Gruppe? „Ich hasse Cumbia“, murmelt unser Guide…
Am Eingang des „Monumento Nacional Cañón de Somoto“ verabschiedet sich der Taxifahrer und es stößt ein weiterer Guide zu uns. Warum, das wird uns später klar werden. Es werden uns die Einzelheiten der Tour verklickert, wir wollen den „schwierigen Teil“ nehmen. So zumindest war die Empfehlung. „Ok“, sagt Jochen, „alles andere ist ja auch Kindergarten!“. Oder? fragen wir den Guide. „Das müsst ihr entscheiden!“. „Wir wissen ja nicht, was auf uns zukommt“ – er grinst nur. Also die „schwierige Tour“….Wir bekommen jeder eine Schwimmweste umgelegt und wandern zum Canon – zunächst lange bergauf und dann steil bergab bis zum Canon.

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Wir sind nach der Wanderung bei der drückenden, schwülen Hitze schon völlig fertig. Dann sehen wir den Canyon.

Unsere Vorstellung und die Bilder im Internet waren da etwas anders. Klares Bergwasser, das sich malerisch und knöchelhoch über kleine Felsen durch den Canyon schlängelt. Das Problem – es hatte in den Bergen drei Tage lang geregnet und das Wildwasser ist dadurch so richtig „wild“ geworden. Wir sehen eine tosende, trübe, braune Brühe, die heftig und eher mannshoch über große Felsbrocken rauscht. Da müssen wir jetzt wohl durch.

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Das „da müssen wir jetzt durch“ dauert insgesamt 4 Stunden….Wir klettern in den Fluß, meist an den Felswänden entlang. Jetzt wissen wir auch, warum der zweite Guide dabei ist. Schon im flachen Wasser reisst es einen fast von den Füssen. Wo es geht klettern wir die Felsen hoch, manchmal 4 m steil nach oben, ungesichert. Wo nicht, waten wir durch das reissende Wasser. Unter unseren Wanderschuhen bewegen sich medizinballgroße Felsbrocken und wir haben Mühe, uns auf den Beinen zu halten. Immer wieder bekommen wir Anweisungen, auf die andere Seite zu schwimmen. „Behaltet die Beine immer oben, wenn Ihr mit den Füssen unter einem Felsen steckenbleibt, dann war’s das. Und jetzt schwimmt, was das Zeug hält!“. Ja – spinnen die? Irgendwann nach einigen hundert Metern wird uns klar – es gibt kein zurück. Den Fluss rauf und wieder zurück wandern ist absolut unmöglich. Bei einer besonders herausfordernden „Challenge“ - eine steile, fast 3m hohe Felswand, die wir hochzukraxeln müssen rutscht Jochen ab und verschwindet in den Fluten.

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Barbara und Guide 1 geraten etwas in Panik, während Guide 2 beherzt hinterher springt. 150m flußabwärts hat Jochen sich den Ast eines Baumes gegriffen, der in den Fluß ragt. Übrigens der einzige Ast, den wir auf der ganzen Tour gesehen haben...Schwein gehabt...Guide 2 zieht ihn auf einen Felsen mitten in den brodelnden Fluten. Bis auf ein paar ordentliche Hautabschürfungen ist nichts passiert. „Erstaunlich“, sagt Jochen, „wie schnell man hier den Kopf unter Wasser hat“. Unsere Kräfte schwinden langsam, die Muskeln an Armen und Beinen schmerzen und zittern, aber die härteste Challenge soll noch kommen. Wir schwimmen an die rechte Uferseite, Jochen verliert schon wieder die Kontrolle und treibt in eine Felsgrotte, die sich aufgrund des bewegten Wassers mit einer Art Schaum gefüllt hat. Man hört Ihn röcheln, sieht aber nur die Nase in den Schaumbergen. Wieder zieht Guide 2 ihn auf den Felsen.

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Guide 2 deutet auf eine Art Wasserfall. „Da ist ein Strudel, da kommen wir nicht durch“. Und jetzt? „Ihr müsst springen, es gibt keine andere Option“, sagt der Guide und deutet auf einen etwas höher gelegenen Felsen. Na toll, ein Sprung aus 6m Höhe in unbekanntes, brodelndes Gewässer. „Ihr müsst Euch mit den Füssen abstoßen“, sonst knallt ihr auf die Felsen. Uns ist es inzwischen egal, wir springen einfach. Zuerst Barbara, sie scheint überlebt zu haben, hat aber Mühe, wieder an die Wasseroberfläche zu kommen. Immerhin hat sie noch den Mumm, die GoPro auszupacken – aber zu spät – Jochen ist auch schon gesprungen – einfach nur, um nicht lange Nachdenken zu müssen.

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Nach scheinbar endlosen weiteren Flussmetern erreichen wir dann endlich den Ausgang des Canyons.
Leider wartet jetzt wieder ein Fußmarsch auf uns, das Wasser quietscht in unseren Wanderstiefeln. Aber egal, wir haben überlebt. Irgendwie. Und wir sind uns sicher, dass die Saison nach uns erstmal beendet sein wird – das „Flüsschen“ ist wegen der einsetzenden Regenzeit definitiv zu wild geworden. Pitschnass setzen wir uns wieder ins Taxi und ebenso pitschnass setzen wir uns in den Hilux und treten die Rückfahrt nach Estelí an. Das Bier am Abend haben wir uns heute aber zweifelsfrei verdient.

28.05.2023

Wir sind ziemlich geschrotet nach der gestrigen Wanderung. Jochen hat Nachts Muskelkrämpfe von der Anstrengung am Vortag, Barbara einen noch nie zuvor erlebten Muskelkater in allen 656 Muskeln des menschlichen Körpers. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg. Unsere nassen Wanderstiefel müpfeln ein wenig im aufgeheizten Auto und wir entschließen uns, diese auf die Ladepritsche unseres Pickups auszulagern. Unser Ziel lautet „Selva Negra“ – ein Stückchen Urwald in der Nähe von Matagalpa.

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Wir haben eine Unterkunft in der „Selva Negra Ecolodge“ gebucht und erwarten angesichts unser bisherigen Erfahrungen mit „Ecolodges“ ein einsames Naturerlebnis. Die Strasse nach Matagalpa ist gut ausgebaut, irgendwann wird es gebirgiger und ein schmaler Feldweg zweigt Richtung Selva Negra ab. Einsam schlängelt sich die Strasse den Berg hoch, dann kommt eine Schranke. „Haben Sie reserviert?“, fragt der Pförtner. Jip, haben wir.
Die Schranke öffnet sich, wir biegen um die nächste Ecke und trauen unseren Augen nicht: Reisebusse, ein riesiges Restaurant, Kinderspielplatz und ungefähr 1000 weitere Besucher…
Das hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt. Um den Schock zu verarbeiten, entscheiden wir uns für ein Mittagsessen in das völlig überfüllte Restaurant einzukehren. Ca. 20 Kellner geben ihr bestes aber das Ambiente entspricht in etwa dem eines deutschen Freizeitparks zur Ferienzeit.
Wir haben einen kleinen Bungalow gemietet – zum Glück liegt der zumindest ein bisschen Abseits des Troubels… Jetzt erstmal eine Mittagstunde!

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Am späten Nachmittag spazieren wir ein bisschen in den Wald – der ist tatsächlich ganz schön und als die vielen Tagesgäste das Areal verlassen haben, wird es endlich auch ruhiger. Wir sehen viel bunte Pflanzen und Vögel – unter anderem sind hier viele Kolibris unterwegs.

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Leider stehen überall Schilder „Nicht nach 17Uhr alleine durch den Wald laufen“. Die haben wohl Angst, dass der Puma die Touris holt. Oder die wollen extra am Produkt „Nachtwanderung mit Guide“ verdienen. Wir besuchen die hiesige Brüllaffengrupe, die gelangweilt in Ihrem Baum hängt.

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Naja –  auch wir sind müde. Wir setzen uns noch ein wenig auf unsere Terrasse, lauschen den Geräuschen des Waldes und sehen den vielen Glühwürmchen zu.

29.05.2023

Leider hat uns während der Nacht ein gewisser Herr Montezuma besucht. Der besucht uns in Mittel- und Südamerika immer für 1-2 Tage und kommt auch diesmal nicht unerwartet. Bei Jochen geht es einigermaßen, bei Barbara ist der Kreislauf im Keller. Egal, heute steht die von der Lodge angebotene „Bird-Watching“-Tour auf dem Programm – das lassen wir uns doch nicht entgehen. Außer uns scheint sich niemand für die Tour zu begeistern, wir sind alleine mit dem Guide. Wieder ein sehr netter und vor allem kundiger junger Mann, mit dem wir den Wald auf der Suche nach allerlei Getier durchstreifen. Mitten im Wald steht eine verfallene Hütte, voll mit Spinnennetzen. „Seid vorsichtig“, meint der Guide, „diese Tiere gehören zur Familie der schwarzen Witwen“.
Die Hütte, so erklärt uns der Guide, stamme aus Zeiten in denen die Lodge einen Paintball-Parcours angeboten hat. Weil man aber die Zertifizierung der „Rainforest Alliance“ haben wollte, musste man diese Art Aktivität im Wald einstellen.

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Wir sehen viele Tiere – vor allem Vögel - unter anderem auch einen Tukan.

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Nach der Wanderung fragt Jochen nach einer Nachtwanderung, die laut unseren Auskünften von der Lodge zur Zeit nicht angeboten wird. „Na klar“, meint der Guide der im nahen Matagalpa wohnt – „wir treffen uns nach Einbruch der Dunkelheit“.
Am Nachmittag geht es Barbara immer schlechter, sie bekommt Fieber und sie muss sich hinlegen. Jochen ruft den Guide auf dem Handy an. Die beiden vereinbaren, alleine und ohne Barbara in den Wald zu gehen.
Barbara hat das Handy am Bett und im Wald ist fast überall Netz – für den Fall der Fälle.
Bevor die Wanderung beginnt, organisiert Jochen noch ein bisschen trockenes Brot und Rührei, aber Barbara bringt nichts herunter.
Spontan haben sich noch zwei Studentinnen der Tiermedizin aus Kanada zur Wanderung eingefunden. Mit Kopflampen stapfen wir durch den dunklen Wald und es beginnt zu donnern. Dann bricht die Mutter aller Gewitter mit einem heftigen Platzregen über die kleine Grupppe herein. Der einzig verfügbare Unterschlupf im dunklen Wald? Richtig, die kleine Hütte. Die mit den „Schwarzen Witwen“. Zu viert warten Jochen, der Guide und die beiden Studentinnen in der winzigen Hütte – peinlich darauf bedacht, die vielen Spinnennetze nicht zu berühren.
Nach ca. 30 Minuten lässt der Regen zumindest ein bisschen nach und wir verlassen schnell den Wald.

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30.05.2023

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Unsere heutige Etappe führt uns an die Apoyo Lagune. Barbara hat nach einer Packung Immodium Montezuma einigermaßen im Griff, das Fieber ist runter. Die Landschaft ist atemberaubend schön nach ca. 3,5 Stunden Fahrt erreichen wir unser Ziel. Unser Hotelzimmer thront auf Stelzen in luftiger Höher direkt über der Lagune. Wir sind so hoch, dass teilweise die Wolken unseren riesigen Balkon einhüllen. Krass! Wir geniessen den fantastischen Ausblick und lauschen dem Konzert der Brüllaffen. Während der Nacht braut sich wieder ein heftiges Gewitter über uns zusammen – es blitzt und donnert um uns herum und wir hoffen, dass es nicht gerade bei uns einschlägt – so hoch, wie wir wohnen…

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31.05.2023

Heute steht der Masaya-Vulkan auf dem Programm. Nach Einbruch der Dunkelheit – wenn das Wetter es zulässt – kann man hier direkt an den Kraterrand heranfahren und einen Blick auf die brodelnde Lava werfen. Wir haben ein Date mit einem Guide für eine abendliche Tour im Dunkeln – ein Blick auf die Wetterapp zeigt aber nichts gutes für die Nacht…
Wir beschließen also, die sporadischen Wolkenlücken zu nutzen, die es tagsüber geben soll.
Pünktlich um 10Uhr stehen wir mit unserem Hilux an der kleinen Rangerstation. Wir werden allerdings abgewiesen – das Wetter sei zu schlecht und wenn es regnet entwickelt der Vulkan wohl besonders viele und wohl auch giftige Gase. Wir fahren also erstmal in die Stadt, ein paar Souvenirs und einen USB-Adapter für unser Handy shoppen. Wir besuchen den örtlichen Markt und ein kleines Folklore-Museum.

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Gegen 12:30Uhr machen wir uns wieder auf den Weg – der Regen hat nachgelassen und die Wolkendecke reißt auf. Nach einer halben Stunde Fahrt stehen wir wir am Eingang des Vulkan-Parks – diesmal werden wir eingelassen. Eine gut ausgebaute Straße führt hinauf zum Krater.

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Dort gibt es einen riesigen Parkplatz und wir sind ganz alleine da. Pfeilmarkierungen auf dem Asphalt zeigen an, dass man mit dem Fahrzeug-Heck zum Vulkan parken soll um im Notfall schnell Richtung Tal flüchten zu können. 

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Der Krater ist gewaltig, aber so richtig viel Lava bekommen wir nicht zu sehen – die ganze Szenerie ist in eine riesige Dampfwolke gehüllt und es riecht nach faulen Eiern.

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Grüne Kleinpapageien fliegen kreischend durch die unwirkliche Landschaft.

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Wir kraxeln hoch zum Kreuz, das hoch über dem Kraterrand thront. Die Spanier, die den Vulkan „Höllenschlund“ („La Boca del Infierno“) nannten, hatten das Kreuz im 16. Jahrhundert errichtet, um den Teufel abzuwehren. Es sieht wirklich wie ein Höllenschlund aus - während der Somoza-Diktatur sollen unliebsame Regimegegner mit dem Hubschrauber in den Krater geworfen worden sein.
Der beste Ausblick auf den Krater ist übrigens unserer Meinung nach nicht der von Kreuz aus sondern direkt vom Parkplatz.
Wir beschließen, am Abend wiederzukommen. Tatsächlich haben wir Glück und die Wolkendecke reisst auf. Diesmal fahren wir zusammen mit einem Guide die Strasse zum Krater hoch - den hatten wir im Vorwege schon gebucht. Jetzt können wir auch die brodelnde Lava gut sehen. Ein einmaliges Erlebnis! Leider sind jetzt viele Flug-Insekten wach geworden - man wird buchstäblich aufgefressen.

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Zurück in unserem Hotel an der Apoyo-Lagune lässt sich unsere Zimmertür nicht öffnen.
Zusammen mit einem Hotelangestellten basteln wir ein Drahtschlinge, hebeln den Türspalt mit einem Schraubendreher auf und führen die Schlinge in den Innenraum. Nach endlosen Versuchen gelingt es Barbara, die Schlinge von innen über die Türklinke zu schieben und diese herunterzudrücken. „Klack“ machte es – und die Tür ist offen! Die Aktion dauert zwei Stunden…

01.06.2023

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Heute haben wir schon um 9Uhr ein Date in Granada – so ein Stress…
Wir fahren aber nur 20 Minuten, dann sind wir schon in der wunderschönen Kolonialstadt.
Wir wohnen in einem Hotel, von dessen Balkonen wir direkt auf den zentralen Platz der Altstadt blicken und auf die „Cathedral de Granada“ blicken – toll!

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Was nicht so toll ist, sind die Pferdekutschen direkt vor unserer Nase. Die Tiere stehen in Reih und Glied den ganzen Tag in der prallen Sonne und warten auf die wenigen Kunden, die dort einsteigen. Den Tieren macht die Hitze sichtlich zu schaffen. Wir begreifen nicht, warum so etwas im Jahr 2023 noch sein muß…

Pünktlich um 9Uhr steht unser Guide auf der Matte. Wir beginnen mit einer interessanten Stadtführung, erfahren viel über die Historie der Stadt und besuchen den belebten und etwas chaotisch anmutenden Markt.

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Wir klettern auf den Glockenturm der „Iglesia de la Merced“ -  von hier aus haben wir einen prima Ausblick über die Stadt.

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Für den Nachmittag haben wir eine Bootstour zu den „Isletas“ vor Granada gebucht. Die „Isletas“ sind über 365 winzige Inseln im Nicaragua-See. Auf einigen dieser Inseln haben die Reichen und die Schönen ihre Domizile gebaut – wir sehen viel Yachten und es gibt auch Villen mit Hubschrauber-Landeplatz. Der gut situierte Otto-Normalbürger kann einige dieser Inseln auch zu Urlaubs- und/oder Partyzwecken für ein Wochenende mieten.

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Auch die Tierwelt ist prächtig, wir sehen viele Vögel, Schildkröten, Affen, Fledermäuse…

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Nach einem ausgefüllten Tag und einem (oder zwei) kühlen Toña-Bieren fallen wir erschöpft ins Bett.

02.06.2023

Heute begeben machen wir uns auf den Weg zum Mombacho-Vulkan. Wir wollen den „Puma-Trail“ erwandern. Nachdem wir den Eingang zum  Nationalpark erreicht haben, werden wir in einen Geländewagen umgesetzt und ein Ranger währt uns eine steile Strasse hinauf zu einem Plateau mit ein paar Gebäuden. Dort wartet eine Art offener „Geländebus“ auf uns. So wie es aussieht, sind wir die einzigen Touristen, mit uns sitzen 5 weitere Personen auf der Ladefläche. Der LKW bringt uns dann über wirklich steile und kurvige Pfade bis nach oben. Hier gibt es eine kleine Bergstation und wir bekommen eine kleine Einführung in das Gelände. In der Ranger-Station werden zwei Pekari-Waisen aufgezogen, leider dürfen wir die nicht mitnehmen:

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Geplant haben wir den längsten – den sogenannten Puma-Trail. Wir begeben wir uns auf den Trail und es wird wirklich, wirklich anstrengend. Im Reiseführer steht, dass der Puma-Trail 4km lang ist. Man brauche ca. 4 Stunden dafür. „4 Stunden für 4 Kilometer“ – das kann doch nicht sein, denken wir noch….Es ist brütend heiß und gefühlt geht es immer nur bergauf. Schon nach der Hälfte der vierstündigen Wanderung spüren wir unsere Beine nicht mehr und es wird gefühlt immer steiler und anstrengender. Der Trail besteht eigentlich nur aus steilen Pfaden und maroden Holztreppen. Treppen rauf, Treppen runter, das über 4km. Belohnt werden wir mit atemberaubenden Aussichten und fantastischer Natur.

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Wir durchstreifen die „Todeszone“ – hier hat die ätzende Gaswolke des Vulkans jegliche Vegetation abgetötet. Es sieht hier apokalyptisch aus und die Dämpfe reizen unsere Augen und Lungen. Wir beeilen uns, da durch zu kommen…

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Als wir wieder die Bergstation erreichen, können wir kaum noch laufen vor Schmerzen. Pustend schleppen wir uns die letzten Meter zur Bergstation. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall – aber wir merken, dass wir nicht jünger werden…  Den Abend lassen wir in Granadas Fussgängerzone bei einem guten Essen - und natürlich einem kalten Toña ausklingen.

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03.06.2023

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Um 16:30 Uhr haben wir die Fähre nach Ometepe gebucht – das ist eine Insel im Nicaragua-See. Zum Fähranleger sind es 70km Fahrt, wir haben also viel Zeit. Am späten Vormittag machen wir uns auf den Weg nach San Jorge. Wir sind noch etwas früh dran und erkunden die Feldwegen der Umgebung – vorbei an kleinen Farmen auf schlechten Strassen besichtigen wir das lokale „Hinterland“. Irgendwann haben wir keine Lust mehr, uns ist warm und wir fahren zum Stand – Mittagessen in einer kleinen Strandbar.

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Dann zum Hafengelände. Schnell werden wir vom einem lokalen „Agenten“ gefunden, der für etwas Kleingeld  den lästigen Papierkram erledigt. Wir bemerken, dass wir an Papierkram-Bude 3 etwas zu viel bezahlt haben. Der Agent geht für uns mit dem Mitarbeiter von Bude 3 schimpfen und wir bekommen postwendend unser Geld zurück. Die Fähre ist winzig und bis auf den letzten Platz voll besetzt. Hier ist „Kontaktparken“ angesagt:

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Die Überfahrt dauert ca. eine Stunde und wir haben währenddessen einen prächtigen Blick auf die zwei Vulkane der Insel.

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Der Insel-Fährhafen in Moyogalpa ist klein und überfüllt aber irgendwie gelingt es uns, unseren eingekeilten Pickup zu befreien und uns vom geschäftigen Treiben des Hafens zu verabschieden.

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Bis zu unserer Unterkunft in Santo Domingo ist es noch ein bisschen zu fahren. Wir stellen fest: auf Ometepe ist alles ein wenig beschaulicher, die Strassen bestehen oft aus Verbundpflaster statt aus Asphalt. Eine der Hauptstrassen überquert die Landebahn des kleinen Inselflughafens. An der Durchfahrt steht ein Soldat und wenn hier ein Flieger kommt, dann macht der einfach das Tor zu.
Unsere Unterkunft liegt direkt am Nicaragua-See, ein paar Treppenstufen und wir sind am Strand.

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Wir nutzen die Gelegenheit zum Baden – das Wasser ist hier sehr flach und dementsprechend warm.
In der Nacht zieht ein Sturm mit Starkregen und einem gewaltigen Gewitter auf. Mehrfach fällt der Strom aus und den Geräuschen nach zu urteilen hebt jeden Moment das Blechdach unserer kleinen Hütte ab.  

04.06.2023

Heute wollen wir die Insel erkunden. Beim Frühstück werden wir von schrägen Vögeln belagert.

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Unsere Rundfahrt beginnen wir heute am „Ojo de Aqua“ – das ist ein Naturpool, der zum Baden einlädt. Der Pool ist gut besucht und es gibt etwas Infrastruktur wie z.B. ein großes Restaurant. Um auf das Gelände zu kommen zahlt man Eintritt, man bekommt allerdings einen Verzehrbon dazu. Wir verzichten auf ein Bad, aber es gibt dort einen wunderschönen Wanderweg, der direkt durch eine Bananenplantage führt.

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Wir lassen uns ein paar Bananen von einem Feldarbeiter schenken – die schmecken klasse, so direkt vom Erzeuger. Wir sehen viele Affen in Ihren Bäumen und trotz der drückenden, schwülen Hitze finden wir die Wanderung großartig.

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Zurück an den Natur-Pools tauschen wir unsere Verzehrbons gegen frisch gepressten Mango- und Ananas-Säfte ein. Die freundliche Bedienung besteht darauf, dass wir noch Restguthaben hätten und schlägt vor, dass sie uns noch zwei Wasser zum Mitnehmen bringt. Hätten wir ja schließlich bezahlt.
Nachdem wir erfrischt sind, verlassen wir das Areal und machen uns auf zum „Parque Ecologico Charco Verde“.

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Dort angekommen sehen wir als erstes eine riesige tote Schlange auf dem Parkplatz liegen die gerade von einem gewaltigen Geier in Stück gerissen wird. Na Mahlzeit.

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Es gibt hier wieder einen schönen Wanderweg – den schenken wir uns aber – für heute sind wir genug gewandert. Statt dessen besuchen wir den kleinen (aber feinen) Schmetterlingspark, das soll dann auch reichen mit unseren Tagesaktivitäten.

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Über die Verbundpflaster-Strassen der Insel machen uns auf den Heimweg.

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Ein nettes Abendessen in einer kleinen, familiengeführten Kaschemme folgt und die streunenden Hunde der Umgebung bekommen natürlich auch den einen oder anderen Happen ab.

05.06.2023

Ein weiterer Tag auf Ometepe. Wir machen uns auf den Weg zum Wasserfall von San Ramón.

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Zum Glück haben ein Allrad-Fahrzeug – der Weg den Berg hoch ist vom Regen stark ausgewaschen und hat wirklich tiefe Rillen. Je höher wir kommen, desto schlechter wird der Weg. Mit einem normalen Fahrzeug hätte man hier ganz sicher keine Chance.
Wir fahren bis zu einem kleinen Plateau und parken dort das Auto. Hier beginnt der steile Wanderpfad zum Wasserfall.

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Wir laufen bergauf, durchqueren eine Schlucht und irgendwann müssen wir anfangen, zu klettern.

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Jochen ist das nicht geheuer – schon wieder eine Wildwasser-Schlucht mit rutschigen Felsen. Wir beschliessen, kurz vor erreichen der Wasserfälle umzudrehen. Wenn wir hier abrutschen und uns die Haxen brechen, findet uns so schnell keiner. Wir sehen den Wasserfall aus der Ferne… er ist... trocken!

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Allerdings – es regnet sporadisch, man weiss ja nie, wie schnell sich das so entwickelt. Nach gut 4km Wanderung mit diversen Klettereinlagen erreichen wir wieder unser Auto. Auf dem Weg nach unten treffen wir erstmals vereinzelt Menschen. Unter anderem sehen wir einen Touristen, der sich den Weg alleine und mit Flipflops vorgenommen hat. Na dann, viel Spaß…
Nach einem Bad im Nicaragua-See fallen und ein paar Toñas fallen wir todmüde in die Federn.

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06.06.2023

Schon um 9Uhr geht unsere Fähre, wir frühstücken also zeitig, denn der Fährhafen liegt ca. 30km entfernt. In Moyogalpa angekommen findet uns wieder ein freundlicher Agent. Wenn man ein Auto dabei hat empfehlen wir wirklich, diese Jungs nicht abzuweisen – die verkürzen das „Einchecken“ auf die Fähre doch erheblich.

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Auf dem Rückweg ist die Fähre nicht ganz so voll und nach einer Stunde Fahrt erreichen wir San Jorge. An Bord treffen wir zwei Weltreisende, die mit russischen „Ural“-Motorrädern mit Beiwagen unterwegs sind. Eins der Motorräder will nicht anspringen und wir helfen dabei, es mit Anlauf von der Fähre zu schieben.

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Unser nächstes Etappenziel heisst San Juan del Sur. Auf den Weg dahin kommen wir in eine Polizeikontrolle. Ob wir denn auch einen Feuerlöscher dabei hätten. „Ja klar“, sagt Jochen, „der liegt unter der Rückbank, aber da ist unser ganzes Gepäck drauf“. „Hmm“, sagt der Polizist „können wir uns eventuell gegen ein kleines Trinkgeld darauf einigen, dass der gar nicht kontrolliert werden muss?“. Barbara platzt die Hutschnur: „Der spinnt wohl, lass uns die Taschen rausräumen – der kriegt seinen Feuerlöscher!“. „Schon gut, schon gut – murmelt der Polizist betreten – „Gute Fahrt!“.
San Juan del Sur ist ein kleiner Badeort und sieht ein bisschen aus wie ein Mini-Rio de Janeiro.
Eine malerische Bucht, darüber thront eine mächtige Jesus-Statue.

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Unser Hotelzimmer hat einen kleinen Balkon mit Meerblick – wunderschön. San Juan hat viele Restaurants, ansonsten gibt es hier viele touristische Aktivitäten – von der Angelfahrt bis zum Spanischkurs wird alles möglich angeboten.
Wir verbringen den Abend in der kleinen Stadt – es ist wirklich nett hier, wenn man Badeurlaub mag.

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07.07.2023

Heute steht nicht viel auf unserer Agenda – ein Tag zum relaxen. Wir fahren die steile Strasse zur Jesus-Statue hoch – dabei verfahren wir uns ein paar mal. Bei der Statue angekommen sind wir die einzigen Besucher. Wir knipsen ein paar Bilder – von hier hat man eine tollen Blick auf die Bucht mit den vielen kleinen Fischerbooten. Mittagsessen… chillen … Abendessen. Wir haben ja schließlich Urlaub.

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08.07.2023

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Leider neigt sich unsere Reise dem Ende entgegen. Wir verlassen San Juan del Sur und fahren zurück nach Managua. Nach 2,5 Stunden kommen wir dort an, wir haben ein Hotel in Flughafennähe gebucht Nach einem ausgiebigen Mittagessen legen wir uns noch ein Stündchen hin, denn am Nachmittag müssen wir das Auto abgeben. Der Mitarbeiter der Autovermietung hat nichts zu meckern, wir haben den Hilux in einem Stück und ohne zusätzliche Schrammen zurückgebracht.
Wir haben für heute nichts mehr geplant, denn unser Airport-Shuttle holt uns bereits kurz vor Mitternacht ab. Um 3Uhr geht bereits unser Flug nach Panama. Bei Abendessen läuft im Hotel der Stierkampfkanal – auf sowas kann Jochen ja gar nicht. Er verlangt vom Kellner, dass er den Kanal umschaltet. Der macht das auch und irgendwie schien auch keiner der anderen Gäste unglücklich darüber, dem Rind nicht beim sterben zusehen zu müssen.

Pünktlich hebt der Flieger der Copa-Airlines ab und nach 1:40h Flugzeit landen wir in Panama.
Erst um 17:15Uhr geht der Anschlussflug nach Madrid. Was machen wir denn bloß so lange? Am Flughafen abhängen ist doof. Wir beschliessen „einzureisen“ und uns in der Stadt ein Hotelzimmer zu nehmen. Der Grenzbeamte will wissen, wie lange wir bleiben wollen?
„Nur ein paar Stunden“, sagt Jochen. Der Grenzbeamte sagt, dass wir eine Adresse in Panama benötigen. „Wissen wir noch nicht“, sagt Jochen „irgendein Hotel“. Der Beamte runzelt die Stirn. „Ok“, sagt er „dann tragt in das Feld einfach „Transit“ ein – dann passt das schon“. Am Taxistand sind wir erstmal geschockt über die Panama-Preise – die haben hier ja fast deutsches Niveau. Wenn man aus Nicaragua kommt, dann ist das schon ein kleiner Kulturschock. Für die 3km zum nächstgelegen Hotel zahlen wir 10 US$.
Wir mieten ein Zimmer für den Tag und können sogar noch das Frühstück „abgreifen“. Nach einem kleinen Schläfchen rufen wir uns ein Taxi und fahren in die Stadt. Dort lassen wir uns – noch ohne Plan – irgendwo zwischen den Wolkenkratzern absetzen. Als wir einen Passanten nach dem Weg fragen, verweist der uns an einen in der Nähe parkenden Taxifahrer. Der Mann ist wirklich nett, wir kommen ins plaudern und er bietet uns für kleines Geld an, uns die Stadt zu zeigen. Er fährt uns überall hin, wir steigen aus und „besichtigen“ während er wartet. Für die Kürze der uns zur Verfügung stehenden Zeit sehen wir eine Menge. Das Casco Viejo (die Altstadt), die Kathedrale Santa Maria la Antigua, das „Miniatur-Wunderland“ in der Iglesia dew San José, der Blick auf die Skyline, der ikonische Panama-Schriftzug. Nebenbei erzählt uns unser „Guide“ viel über Land, Leute und die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation. Das hat sich trotz der Kürze der Zeit gelohnt.

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Um kurz nach 17 Uhr treten wir dann unseren zehnstündigen Rückflug nach Madrid an. Erwartungsgemäß war der Rückflug genauso furchtbar wie der Hinflug. Schmutzige Sitze, schmutzige Klos, miserables Essen. Von Madrid aus machen wir dann den letzten kleinen „Hüpfer“ nach Hamburg – nach knapp 3 Stunden Flug landen wir dort.

Schade, dass der Urlaub schon wieder vorbei ist. Und lohnt sich denn so eine Reise nach Nicaragua? Wir finden: auf jeden Fall – es gibt dort viel zu sehen, die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit und das Land ist sicher zu bereisen. Wir hatten nirgendwo ein ungutes Gefühl – auch nicht Nachts auf der Strasse.
Nicaragua hat ähnlich viel zu bieten wie Costa Rica, ist aber bei weitem nicht so gut touristisch ausgebaut. Das hat Nachteile, vom „Abenteuerfaktor“ her hat es natürlich aber auch Vorteile.
Ein paar Grundkenntnisse in Spanisch halten wir bei einer Individualreise für ein Muss – nur wenige Menschen dort sprechen Englisch.
Und würden wir wieder dort hin reisen? Definitiv!

Bis zum nächsten Mal!

Barbara & Jochen